Das Arme Kind // Wenn Fremde sich unterwegs einmischen



Och, das arme Kind! Oh, was hat es denn? Och, es hat BESTIMMT Hunger!! Uh, es friert doch!!
So oder ähnlich habe ich es in den letzten Monaten oft erlebt. Meine Tochter weint im Tragetuch oder im Kinderwagen und sie kann sich in diesem Moment nicht beruhigen. Vielleicht weil sie Hunger hat und ich sie gerade nicht aus dem Tuch machen kann da wir sowieso gleich Zuhause sind. Vielleicht weil sie mit dem Einschlafen kämpft oder weil sie einfach mal gerade keine Lust hat, im Wagen zu liegen. Nach einigen Minuten Beobachtung, ernte ich die ersten Blicke. Blicke die mir signalisieren sollen, das ich es nicht richtig mache. Blicke, die mir sagen, das ich mein Kind nicht im Griff habe. Doch mit den Blicken ist es nicht genug: dann fangen die Leute an, sich verbal einzumischen. "Was hat es denn?" oder "Es hat bestimmt Hunger!!!". Es werden verschiedene Mutmaßungen angestellt was mein Kind denn gerade haben könnte. Die Spitze wird erreicht mit dem Satz "Ach, das arme Kind!!". 

Klar, ich schaue auch, wenn irgendwo ein Kind weint. Ich lächle vielleicht die Mutter an, weil ich die Situation kenne. Wenn ich ein weinendes Kind sehe, frage auch ich mich, was es gerade haben könnte. ABER: Ich mische mich nicht ungefragt ein.

Das Einmischen auf offener Straße geht mir sowas von auf die Nerven. Manchmal mag es ja gut gemeint sein. Manchmal ist es vielleicht einfach ungeschickt, oder es wird etwas gesagt, weil der Andere die Situation eines weinenden Babys nicht aushalten kann. Einfach mal schnell was sagen, weil einem die Mutter offensichtlich überfordert vorkommt. Mitleidige Blicke werden geworfen. 

Am Anfang haben mich diese Einmischungen fertig gemacht. Im Bus haben mich die Leute angeglotzt weil Rosalie aufgewacht war und dann nicht mehr im Tuch sein wollte. Es war aber noch weit nach Hause und draußen regnete es. Diese Blicke haben mich am Anfang so verunsichert, das ich es nicht mehr ausgehalten habe und aus dem Bus ausgestiegen bin. Die halbe Stunde bin ich dann mit Rosalie nach Hause gelaufen. 

Mittlerweile versuche ich es aber auf positive Art auszuhalten. Ich rede mit meinem Kind, erkläre ihr die Situation. Ich gehe auf sie ein, schaue sie an, fühle mit ihr und nehme sie ernst. Wenn sie dann immer noch nicht zufrieden ist, versuche ich die Situation anzupassen. 
Überhaupt ist das so eine Sache mit dem Weinen. Natürlich weinen Babys, wie sollten sie sich denn auch sonst ausdrücken das ihnen gerade etwas nicht behagt. Ich lasse Rosalie auch nicht weinend liegen, lasse sie nicht alleine. Manchmal halte ich einfach ihre kleine Hand, wenn ich so schnell nichts an der Situation ändern kann. Ich kümmere mich um mein Kind, und das 24 Stunden am Tag. Aber auch ich kann nicht verhindern das sie ab und an weint. Es gibt tausend Gründe. Und ich bin immer für sie da. 

Was auch immer die Leute auf der Straße so denken möchten. Mit ihren Blicken verunsichern sie mich nicht mehr. 

Wenn ihr Lust habt, schreibt doch über die Kommentarfunktion, mit welchen Sprüchen euch die Leute auf der Straße nerven!!

Herzlich, Eure Milena


1 Kommentar

  1. Hallo Milena,
    gerade bin ich auf deiner Seite gestrandet und fühle mich von diesem Post angesprochen.
    Deine Tochter ist noch ganz klein, während meine Söhne inzwischen mit 20 + 25 Jahren schon erwachsen sind. Gefühlt wurden sie erst gestern geboren und die Situationen, die du beschreibst, kenne ich aus beiden Perspektiven: als Mutter mit weinendem Baby oder schlimmer, später mit oft in unmöglichsten Situationen immer wieder Nasenbluten habendem Kind. Überschüttet mit zahllosen Ratschlägen wie Kopf in den Nacken, Kopf nach vorne, was Kaltes für den Nacken besorgen... Hilft alles nix. JA, wir waren schon deshalb beim Arzt. Dankend Hilfe ablehnend. Als sture Rabenmutter deshalb beschimpft werden. HALLO, darf ich mich jetzt bitte mal in Ruhe um mein Kind kümmern?!
    Und heute? Tun mir eigentlich hauptsächlich die Mütter leid, die so ungewollt in den Fokus der Umwelt rücken, weil das Kind weint, schreit oder bockt. Oft möchte ich ihnen mein Verständnis und Solidarität signalisieren.
    (Immer bin ich froh, DIESEN Teil des Lebens mit Kindern schon überstanden zu haben. ;o)
    Die Kinder bedaure ich übrigens in der Regel nur, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert ist (Unfall, Krankheit, Schmerz!) und/ oder die Eltern völlig hilflos, überforfert, desinteressiert oder asozial wirken.
    Lass dir gesagt sein, Fremde können manchmal durch ihre Ansprache dein weinendes Kind ablenken und es beruhigt sich dadurch. Das ist nicht immer das Schlechteste.
    Bleib locker, fühl dich nicht gleich angegriffen.
    Und mal ehrlich, wenn ein Kind herzzerreizend weint und niemand nimmt Notiz davon, finde ich das auch bedenklich! Noch mehr Gleichgültigkeit, als sowieso schon verbreitet, fände ich in unserer Gesellschaft nicht erstrebenswert.
    Genieß die Zeit mit deiner Kleinen. Die Kinder werden viel zu schnell groß!
    Herzlicher
    Claudiagruß

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Maira Gall