Stadt // Land // ??



Nach 4 langen Wochen auf dem Land, sind wir nun wieder zurück in der Stadt. Und meine Gedanken schweifen immer wieder um die Frage herum: "Lieber in der Stadt oder auf dem Land wohnen...?"

Ich bin in einem kleinen Dorf mit 3000 Einwohnern aufgewachsen. Als Kind liegen die Vorteile auf dem Land zu wohnen auf der Hand: vieeeel Natur, Tiere, Bauernhof, die ganze Zeit draußen verbringen. Im Winter Schnee und Schlitten fahren direkt vor der Haustür, und die wundervollen Sommertage im Garten. Diese Vorteile ändern sich dann allmählich, wenn man in das Teenie-Alter kommt. Weite Schulwege und lange Busfahren kommen dann hinzu, wenig Freizeitangebote und weit verstreute Freundschaften. DAS wichtigste mit 17 dreiviertel: den Führerschein machen, um endlich aus dem Dorf-Mief heraus zu kommen.
Mit 20 Jahren zog ich zum Studieren nach Hamburg. Ein kreativer Berufsweg wäre im Dorf und der nächst größeren Stadt für mich persönlich unmöglich gewesen; dann doch lieber herzzerreißendes Heimweh für viele, viele Monate.

Nun, nach 10 Jahren komme ich zurück ins Dorf. Viel hat sich nicht geändert, und doch ist alles anders. Ich genieße die stundenlangen Spaziergänge über Felder und Wiesen im Nirgendwo ungemein. Überhaupt die Natur, das viele draußen sein, die gute Luft und die Gartenarbeit.
Natürlich ist nun alles anders. Ich bin jetzt Mutter und möchte meinem Baby die Kühe im Stall mit ihren Kälbchen und die blühenden Bäume auf den Feldern zeigen. Und dann schleichen sich die Zweifel in meinem Kopf ein.
Soll mein Kind wirklich in der Stadt groß werden?? In einer Betonwüste mit einem Park, der von einer 4 spurigen Straße umschlossen wird?? Oh Gott, was tue ich meinem Kind an; auf dem Land ist doch alles vieeeeel schöner!!! Außerdem wären doch die Familie und einige liebe Freunde ganz in der Nähe, sie könnten Rosalie beim aufwachsen zuschauen und auch mal kurz helfen, wenn alles zu viel wird.

Aber die Tatsache ist: Ich habe gerade Elternzeit und muss nicht arbeiten. Die Tage auf dem Dorf waren wie in den Sommerferien, die aber irgendwann auch wieder zu Ende gehen.
Eine kreative Arbeitsstelle gibt es für uns beide dort in der Umgebung nicht, auch die Arbeit als Freiberufler wäre dort derzeit fast unmöglich!
Die Infrastruktur hier in der Stadt ist ungemein besser, ich kann alles zu Fuß und mit dem Kinderwagen erledigen, wir haben hier kein Auto und erreichen doch alle Freizeitangebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So eine unkomplizierte Art, den Alltag zu gestalten, wäre auf dem Land nicht möglich.

Dennoch ist die Stadt laut, der Verkehr groß, die Luft schlecht.
Dennoch ist das Dorf unpraktisch, eine künstlerische Wüste und ohne Auto kann man nix machen.


ABER: Gut, das wir derzeit beides haben können. Mit der Bahn sind wir in 5-6 Stunden bei unseren Familien in Baden-Württemberg und Bayern, günstige Tickets gibt es fast immer online im Sparpreisfinder.
Wenn es uns in der Stadt zu trubelig wird, dann setzen wir uns einfach gemütlich in den ICE und schwup-diwup haben wir die Dorfidylle. Anders herum, sehne ich mich wie auch jetzt, nach 4 langen Wochen auch wieder nach der Stadt, den Freunden, der eigenen Wohnung mitten im Viertel.
Beides haben zu können ist also gerade ganz wunderbar.

Herzlich, Eure Milena




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Maira Gall