Stillen // Wir haben hart dafür gekämpft!



Ich denke etwas wehmütig an die ersten Stunden und Tage mir unserer kleinen Tochter zurück. Wir waren so glücklich, hatten eine wundervolle Geburt, freuten uns ins Unermessliche, nun Eltern zu sein. Mama und Papa. Alles war perfekt.
Wenn da nicht die Sache mit dem Stillen gewesen wäre. Ich wollte so unbedingt stillen, hatte von Freundinnen gehört, bei denen es sofort geklappt hat, und von solchen, bei denen es überhaupt nicht ging. Und bei mir wollte es am Anfang auch einfach nicht klappen.

Wir hatten doch anscheinend alles richtig gemacht: Rosalie noch gleich in der ersten halben Stunde nach der Geburt im Kreissaal angelegt. Ich habe sie Stundenlang auf meinem Bauch liebkost. Aber unsere kleine Tochter wollte einfach nicht trinken, sondern lieber schlafen. Und so nahm sie immer mehr ab. Ich versuchte sie in allen möglichen Positionen anzulegen, hatte Besuch von 3 verschiedenen Still und Laktations-Beraterinnen. Irgendwann drehte ich durch. Mitten in der Nacht wurde mir dann auf der Wochenstation empfohlen, es mit einem Stillhütchen zu versuchen. Von Außen sah es dann auch so aus, als würde Rosalie nun endlich trinken, aber es strengte sie viel zu sehr an. Sie schlief einfach weiter.

Auf Station in unserem Familienzimmer herrschte am dritten Tag extrem schlechte Stimmung. Milcheinschuss. Hormone. Kind nimmt weiter ab. Ich war schier am verzweifeln!! Ich saß morgens um 4:30 Uhr in der Klinik an der Milchpumpe.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich wollte doch unbedingt eine Still-Mami sein; hatte mir so sehr gewünscht, das es klappt. Jede Krankenschwester und Hebamme die unser Zimmer betrat, hatte einen anderen Vorschlag: Baby bis auf die Windel ausziehen, in die Schenkel zwicken, kaltes Wasser an die Füße- es war schrecklich!!! Jeder zerrte an meiner Brust herum und versuchte das Kind anzulegen, ich war so traurig. Wir fütterten die Abgepumpte Milch dann mit einer kleinen Spritze, das klappte ganz gut.

Zuhause ging die Tortur dann weiter. Ich versuchte sie anders anzulegen, versuchte es zuerst mit Stillhütchen und dann ohne. Aber Rosalie nahm nur sehr schleppend zu. Irgendwann zogen wir die Reißleine: zusätzliches Abpumpen nach jedem Stillen, Kind alle 2 Stunden wecken. Stillen, Abpumpen, Füttern, Zubehör sterilisieren, eine Stunde schlafen und dann alles wieder von vorne. Zusätzlich nahm ich noch Bockshornklee-Samen-Kapseln zur Milchsteigerung.
Nach einer Woche extremer Anspannung konnten wir dann endlich aufatmen. Das Gewicht stieg, unser Baby nahm endlich zu. Nach zwei Wochen konnte ich auch ohne Stillhütchen stillen, die Situation entspannte sich etwas. Vor jeder Gewichtskontrolle war ich aber trotzdem so nervös, das ich manchmal beim Wiegen aus dem Raum gehen musste. In der dritten Woche bekam ich einen fiebrigen und sehr schmerzenden Milchstau. Ich überlegt kurz ob ich jetzt nicht abstillen sollte, so fertig war ich. Lohnt sich der Kampf überhaupt? Und dann entschloss ich: jetzt mache ich weiter!!

Im Nachhinein hat sich der ganze Stress natürlich gelohnt, ich habe nun eine wunderbare Still-Beziehung zu meinem Kind und sie gedeiht prächtig. Aber der Preis dafür war sehr hoch; die ersten magischen Tage als neue Familie konnten wir schlicht nicht richtig genießen, da es nur um Stillprobleme und Gewicht ging. Zum Glück habe ich einen unglaublich liebevollen Partner an meiner Seite, der gemeinsam mit uns gekämpft hat, und eine wunderbare Mama, die mich immer wieder motivierte, nicht aufzugeben!


Übrigens: Noch vor einigen Jahren hatten Babys 3 Wochen Zeit, um das Geburtsgewicht zu erreichen; heute sind es nur noch 10 Tage. Diese Tatsache alleine sollte man bedenken, wenn man sich nicht so stressen möchte, wie ich es anfänglich tat.




Hier habe ich einige Sachen aufgeschrieben, die mir beim Stillen sehr geholfen haben.

- Bockshornklee Samen Kapseln, nicht verschreibungspflichtig aus der Apotheke zur Milchsteigerung

- Stilltee von Welelda. In allen anderen Teemischungen aus der Drogerie ist meist nur Fenchel-Anis-Kümmel drin, das schmeckt sehr gut, bring aber für die Milchbildung überhaupt nichts. Bei Weleda ist der Hauptbestandteil auch Bockshornkleesamen, erst dann kommen die üblichen Kräuter.

- Die elektrische Milchpumpe Symphony von Medela. Ich hatte meine schon in der Klinik ausgeliehen, aber die meisten Apotheken haben dieses Modell auch zum Verleihen. In einer solchen extrem Situation empfehle ich absolut keine Hand-Milchpumpe. Ich habe das auch versucht. Aber es ist einfach viel zu aufwändig und dauert viel länger. Die Kosten für die Pumpe wurden bei mir von der Krankenkasse erstattet.

- Die Website der Hamburger Hebamme Gesine Gresens. Die vielen Tipps haben mir gut geholfen, ihr kostenpflichtiges Anleitungsvideo "Richtig Anlegen" habe ich dann gar nicht mehr gebraucht.

- Bei der Stillberaterin// Hebamme nachfragen. Immer wieder. Auch wenn es nervt!! Lege ich richtig an? Was kann ich noch zur Milchsteigerung tun? Bitte immer und immer wieder nachfragen, vormachen, zeigen!

- Bei Milchstau und wunden Brustwarzen haben mit die Multi Mam Kompressen und das Wollfett von Lansinoh sehr gut getan. Die Kompressen kann man sehr gut in der Mitte durchschneiden, dann reichen sie doppelt so lange. Die Lanolin Creme gibt es viel günstiger in einer 30ml Größe in der Apotheke.

- Und ganz wichtig: KEINE PANIK SCHIEBEN!! Habe ich getan, hat nix gebracht.


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© hellrosagrau
Maira Gall