Sachen Selbermachen // Mitwachsende Strickjacke



Habt ihr auch Lust so eine niedliche Strickjacke zu stricken? Es ist wirklich viel einfacher als gedacht. Und ein Kleidungsstück selbst herzustellen hat so viele Vorteile:

-Die Jacke ist ein absolutes Einzelstück. Endlich mal ein Teil im Kinderschrank, das nicht die Hälfte der Kita-Gruppe auch Zuhause hat!

-Die Herstellung der Jacke ist, für eine Strickanfängerin wie mich, absolute Grübel-freie-Zone. Denn ich musste mich immer so konzentrieren, dass ich überhaupt keine Zeit hatte, über irgendwelche Sachen panisch nachzudenken. Das hat mich echt sehr befreit und entspannt. (Am besten fange ich gleich die nächste an...)

- Die Jacke ist aus guter Schurwolle, Alpaka oder weicher Baumwolle immer noch günstiger, als wenn mal ein vergleichbares Teil im Laden kauft. (Massenware einmal ausgeschlossen). Außerdem entsprechen solche fertigen Teile im Kleiderschrank unserer ökologischen Verantwortung Textilen gegenüber, weniger zu konsumieren, dafür hochwertige und langlebige Materialien einzusetzen. (ihr könnt auch einen alten Strickpullover von euch "aufribbeln" um damit den Lütten etwas Neues zu stricken)

-Der größte Vorteil ist aber die Größe. Denn sie kann perfekt auf das Kind angepasst werden: endlich mal Ärmel die lang genug sind. Im Fall meines Jäckchens sogar: Mitwachsend. Wie das geht? SUPER EINFACH: Die Ärmel werden etwas länger gestrickt, sodass sie zuerst einmal umgeschlagen werden, und dann, nach dem nächsten Wachstumsschub, werden die Bündchen einfach wieder heruntergekrempelt.
Außerdem werden die beiden Vorderteile viel breiter gestrickt, das sie zuerst seitlich geschlossen werden, und wenn das Bäuchlein dann etwas größer wird, werden ganz einfach die Knöpfe in Richtung Mitte versetzt. So spart man mindestens eine Kleidergröße, durch die super-elastischen Maschen eher noch eine weitere Größe.

Und soll ich euch das Beste verraten? Eigentlich kann ich ja gar nicht stricken. Puh... jetzt ist es raus!
Ich habe es leider nie in der Schule gelernt, wahrscheinlich vor allem aus dem Grund, weil es mir damals in unserer kleinen Dorfschule niemand mit der linken Hand beibringen konnte.
Das war dann vielleicht auch der Grund, das ich lieber nähen gelernt habe, und das kann ich durch meine Ausbildung als Designerin nun sehr gut. Ich hatte wohl die strengsten Näh-Dozenten die es auf der Welt gibt: waren 3 Stichlein nicht exakt gerade, musste ich die komplette Naht wieder auftrennen. Das war echt eine harte Schule, dieses ständige Auftrennen hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, aber es hat mich auch wirklich zu einer guten Näherin gemacht.

Beim Stricken bin ich jedoch eine blutige Anfängerin. Und nach dieser Jacke kann ich eines ganz sicher sagen: auch ohne jemals gestrickt zu haben, mit ein bisschen Zeit und Spaß, mit schönem Garn und ein bisschen Affinität zu guter alter Handarbeit, kann jeder, mit ein bisschen Übung (und Tutorials auf youtube) diese Jacke stricken.
Es gibt nämlich einige nützliche Kniffe, mit denen das Ergebnis noch viel schöner aussieht.


1. Wähle ein meliertes Garn aus. Das gibt dem ganzen Jäckchen eine aufregende Struktur, und man sieht nicht so schnell, wenn mal locker und mal fest gestrickt wird (außerdem sieht man den Matsch-Dreck, die zerquetschte Banane und die Tomatensoßenspritzer auch nicht so schnell)
2. Die Jacke ist nicht in Form gestrickt. Die Bündchen der Ärmel entstehen durch 2 rechte und 2 linke Maschen im Wechsel, und für den Oberarm werden vereinzelt Maschen aufgenommen. Beim Halsausschnitt werden Maschen vorher abgenommen. Wie man an meinem Foto gut sehen kann, habe ich diese Maschenauf-und Abnahme nicht wirklich sehr, sagen wir mal elegant, gelöst.
Völlig egal, denn beim zusammennähen der Strickteile sieht man das sowieso nicht mehr.
3. Um die unregelmäßigen Kanten zu verschönern, habe ich ganz am Ende um das fertige Jäckchen eine Borte gehäkelt. Die lenkt ab und sieht sehr hübsch aus.

Und nun hier die Anleitung für euch:

Ihr solltet für die mitwachsende Jacke rechte und linke Maschen stricken, und einfache Stäbchen häkeln können. Zudem solltet ihr einen einfach Näh-Stich zum Z
usammennähen der Teile können. Und ich denke, einen Knopf annähen, das schafft auch jeder.

Was ihr braucht?

- circa 250g Garn (für Größe 92, ich hatte 100% Alpaka, ein Rest von meiner Großtante, original aus den 70er Jahren!!!)
- eine Rundstricknadel Größe 4, 80cm oder länger
- eine Häkelnadel Größe 3
- eine stumpfe Nähnadel
- 4-6 Knöpfe, je nach Größe


1. Kind ausmessen. Ihr braucht Rückenlänge, Schulterbreite und Ärmellänge.
2. Ein Rechteck für den Rücken aus rechten Maschen stricken. Die Breite entspricht der Schulterbreite und die Länge entspricht der Rückenlänge. (mein Rückenteil ist sowas von überhaupt nicht rechteckig geworden, unten sogar richtig bauchig. Ist aber völlig egal!)
3. Zwei Vorderteile Stricken. Die Länge entspricht der Rückenlänge und die Breite ist die Hälfte der Schulterbreite + 8cm ( zum Mitwachsen etwas mehr, damit einmal die Knöpfe versetzt werden können) Ungefähr 4cm vor dem Ende, für den Halsausschnitt in einer Reihe 3 Maschen abnehmen und so lange wiederholen, bis die gesamte Höhe erreicht ist.
4. Für die Ärmel die Hälfte der Maschen wie für das Rückenteil anschlagen. Das Bündchen circa 6 cm hoch stricken, immer zwei Maschen rechts, zwei Maschen links. Nach der Hälfte der Ärmellänge für 5 cm an beiden Rändern jeweils eine Masche aufnehmen.
5. Schulternähne von Vordergrund Rückteilen zusammennähen.Vorderteile mit einer stumpfen Nadel an das Rückenteil nähen. Dann die Seitennähte von Vorderteile-und Rückteil schließen. Den Ärmel schließen und ihn dann in das Armloch einsetzen.
6. Für die Knopflöcher mit der Stricknadel in ein Vorderteil so einstechen, das sich der Stoff dort etwas weiten lässt. Dann mit einer stumpfen Nadel einen kleinen Kreis sticken. Schwups, fertig ist das Knopfloch, ohne es kompliziert eingestrickt zu haben (geht aber nur bei wirklich sehr elastischen Maschen).
7. Knöpfe sehr (!) fest annähnen. Bei kleinen Kindern ist das sehr wichtig, schließlich sollen die Knöpfe ja nicht verschluckt werden.
8. Einmal komplett um die Jacke herum eine Borte häkeln. Das ist sehr einfach, indem man im Abstand von 1,5cm genau 8 mal in die selbe Masche ein Stäbchen häkelt. So entstehen sehr schöne Halbkreise.

Viel Spaß und wenn ihr Fragen zur Strickjacke habt, schreibt gerne einen Kommentar!

Herzlich, Eure Milena




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Maira Gall