5 Mal Alltag // Im Sandkasten, in der Bahn, in der Eis-Warteschlange und mal wieder was Neues: das arme Kind!


1. Fauxpas der Woche: Es ist Nachmittag und ich bin mal wieder spät dran, ich muss jetzt echt schnell los in die Kita. Ich werfe mir schnell einen Pulli über. Dann also ab in die Kita, danach ganz entspannt ins Café. Nachdem ich bezahlt habe, gehe ich nochmal schnell mit Rosalie auf die Toilette. UND DA SEHE ICH ES im Spielgel. Oh nein, nicht schon wieder. Pulli falsch herum angezogen. Hm. Der Reißverschluss ist vorne und das Etikett baumelt sehr vorteilhaft auf meiner Brust. Hätte mir nicht mal jemand bescheid sagen können? Vielleicht beim nächsten Mal, ne?

2. Ich sitze seit einer Stunde mit meiner kleinen Tochter im Familienbereich eines ICE´s. Bisher haben wir das 6er Abteil nur für uns, auf der Anzeigetafel habe ich allerdings schon gesehen, dass ab Frankfurt noch ein Platz reserviert ist. Wir haben auch reserviert und freuen uns schon, vielleicht kommt ja noch eine Mutter oder ein Vater mit Kind. Damit wäre die Langeweile doch besser auszuhalten.
Und wer kommt? Eine alleinreisende Geschäftsfrau mittleren Alters. Sie trägt ein feines, gebügeltes (fällt mir auf, weil ich ja selbst nichts bügle...) dunkelblaues Kostüm, Blazer mit Rock und weißer Bluse. Dazu schicke Lackschuhe. Durch die Scheibe des Abteils sieht sie sehr nett aus, denke ich mir noch. Doch dann reißt sie die Schiebetüre auf und stürzt herein. "Ich solle hier mal Platz machen" schnaubt sie mich an. Überall auf dem Boden liegen Rosalie´s Spielsachen herum, der Tisch ist übersät von der aufgerissenen Packung Dinkelstangen. Tiere, Bücher und Puppe haben es sich auf den Sitzen bequem gemacht und neben der Trinkflasche liegt eine halbe Brezel auf meinem Sitz. Es mag chaotisch aussehen, aber im Großen und Ganzen ist das Chaos der Situation absolut angepasst. Denn wir sind hier ja schließlich im Familienbereich.
Ich biete ihr einen unserer Plätze am Fenster mit Tisch an, doch sie verneint vehement und besteht auf ihren Platz in der Mitte. Sie betritt das Abteil und rollt mit ihrem Geschäftsfrauen-Angeber-Koffer einmal komplett über Rosalie´s Spielsachen, über die andere Hälfte der Brezel und über Rosalie´s Finger. Das ist doch mal ein fabelhafter Start, denke ich mir. Rosalie brüllt, die Frau schaut brüskiert, besser könnte die Stimmung nicht sein. Herrlich.

3. Beim Zusammensammeln der Sandelsachen auf dem Spielie drehe ich die dritte Rune auf der Suche nach Rosalie´s grüner Gugelhupfform. Ich kann sie einfach nicht finden. "Jetzt gucke ich doch nochmal genauer" denke ich mir und gehe eine letzte Runde durch den Sand. Im letzten Sommer habe ich so viel verloren, da habe ich kein Bock mehr drauf. Da entdecke ich unten, in einem fremden Kinderwagen genau dieses gesuchte Förmchen. Ich frage fix die umstehenden Eltern, aber niemandem möchte der Kinderwagen gehören. Ok, denke ich mir, dann wird es schon nicht uns gehören. Schließlich steht auf unseren Sachen überall mit Filzer groß Rosalie´s Name drauf. Aber irgendwie bin ich jetzt doch neugierig, und hast du es nicht gesehen, greife ich in einen fremden Kinderwagen. Mir ist das sehr unangenehm, aber meine Neugierde siegt. Und siehe da! Tatsächlich steht da Rosalie drauf. Die zu meiner Rechten stehende Mama, guck mich nun sehr böse an und fragt mich, was ich da aus ihrem Kinderwagen klauen würde. Hm. Da fällt mir auch nichts mehr ein.

4. Blauer Himmel, Sonnenschein, toller Tag. Ich stehe in der Warteschlange der BESTEN! BESTEN! Eisdiele in Hamburg. Vor mir 28 und hinter mir 14 Leute. Die Schlange erstreckt sich über den ganzen Gehweg, aber die Stimmung ist gut, denn die Leute, die sich diese Warteschlange antun, wissen genau warum. In meiner Wartezeit gehen 5 Menschen vorbei, die demonstrativ sagen, wie scheiße sie Eis finden. Pahh! Jajaaaa. KLaaar.

5. Ich habe Rosalie´s Trinkflasche in der Kita vergessen und anstatt zurück zu radeln, fahre ich lieber schnell zum Biomarkt. Das ist gerade näher und ich brauche sowieso noch ein Brot. Rosalie sitz fest angeschnallt im Lastenrad und ich parke so nah am Eingang, das selbst die automatischen Türen nicht mehr zu gehen, springe schnell rein, hole eine Wasserflasche und ein Brot aus dem Regal und flitze zu Kasse. Das dauert alles weniger als 2 Minuten. Rosalie quengelt kurz, aber als ich an der Kasse stehe, sieht sie mich wieder und sie hat eher Hunger und Durst, als dass sie vor Schmerzen oder Kummer weint. Ich weiß das, ich kenne sie. Doch in genau diesen 20 Sekunden, in denen die Kleine weint, mischt sich eine ältere Dame ein, eilt zum Fahrrad und wirft mir diesen einen, diesen Rabenmutter-Blick zu. Ich sehe genau was sie denkt, aber was soll´s, denke ich mir. Sie dreht sich um, schüttelt den Kopf und murmelt leise etwas von "...das arme Kind".


Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen

© hellrosagrau
Maira Gall