Über das ständige Vergleichen // Das eigene Raumschiff lenken




Ich komme auch nicht ganz drum herum. Ja, ich bin ehrlich, ich vergleiche auch. Was machen die Anderen gerade, was haben sie an. Was haben die Anderen gerade gepostet und warum sind die eigentlich schon wieder im Urlaub. Die haben alle so schöne Häuser. Und schöne Kinder.

Und ich? Sitze hier, mit einem lauwarmen Kaffee in der einen und einem angeknabberten Stück Brot in der anderen Hand. Die Anderen zeigen Fotos von Einhorn-Cupcakes und aufgeschäumter Milch.
Von gestylten Frühstückstischen und dem neusten Onlineshopping. Ich schaue an mir herunter und sehe nur das kleine Loch in meinen Zebrasocken.

Und dann fühle ich mich irgendwie schlecht. Weil ich vergleiche. Weil ich nicht bei mir bin.

Nein, ich will ja gar nicht vergleichen. Ist das denn die richtige Welt da draußen oder nur alles Schein und Rauch?

UND DANN SCHAUE ICH NOCHMAL RICHIG NACH:

Mein lauwarmer Kaffee besteht zu zwei Teilen aus Bio-Demeter Milch, zu einem Teil aus dem besten Espresso den man in Hamburg finden kann. Die feine Porzellantasse war ein Geschenk einer sehr lieben Freundin, der Patentante meiner Tochter. Die Hand, mit der ich die Tasse halte, wird von einem zarten Ring aus Silber und Gold geschmückt. Der Verlobungsring von meinem besten Freund, Partner und Vater meiner Tochter.
Ich schaue weiter nach unten. Die Socken sind von Hand gestrickt und von meiner Schwiegermutter. Extra in meinen Lieblingsfarben. Sie haben ein Loch, aber es braucht nur wenig Geschick um das Loch in wenigen Minuten zu stopfen.
Und weiter unten: Meine Füße stehen auf einem warmen, goldglänzenden Holzdielen-Fußboden. Ja, er könnte gepflegter sein. Aber ich stehe sicher auf dem Boden, habe ein Dach über dem Kopf und sogar Schuhe im Schrank. Und was habe ich in der Hand? Ein angeknabbertes Stück Brot. Dinkelvollkorn, selbst gebacken. Ausgetrocknet, aber doch immer noch sehr lecker.

Es könnte mir also deutlich schlechter gehen. Im täglichen Leben vergesse ich dies nur sehr oft.
Ich bin von Herzen Dankbar, so zu sein, wie ich eben bin. Und ich bin mit dem zufrieden, was ich gerade habe. Auch wenn ich mir manchmal einen Blick in die andere Richtung erlaube.

Die meiste Zeit aber bleibe ich in meinem Raumschiff. Schaue nicht, was die anderen besser oder schlechter machen, versuche nicht zu vergleichen, versuche mich nicht in hätte, könnte und wollte zu verstricken. Ich versuche mein Raumschiff so zu lenken, das es mir und meiner Crew gut geht. Ich achte auch auf die vielen Freunde in den anderen Raumschiffen, sorge mich und bin für sie da.
Aber ich versuche nicht ständige die Raumschiffe miteinander zu vergleichen.

Herzlich, Eure Milena



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© hellrosagrau
Maira Gall