Unser neues Cargobike // Radfahren bei Wind und Wetter


Nach der Geburt unserer Tochter mussten wir sehr schnell feststellen, das unsere bisherigen Gewohnheiten, einfach ALLES mit dem Fahrrad zu erledigen, erst einmal auf Eis gelegt waren.
Selbst in der Schwangerschaft bin ich viel geradelt, bis ich allerdings einen kleinen Sturz hatte, Ende der 30ten Woche und dann wollte ich sowieso nicht mehr fahren. Nicht, dass ich mich wegen meiner eigenen Fahrkünste nicht mehr getraut hätte, nein, ich hatte einfach nur Angst von den anderen Fahrradfahrern umgefahren zu werden. Denn die Hamburger Radfahrer sind entweder die entspanntesten Schön-Wetter-Sonntagsfahrer oder die Voll-Profi-HightechRadler, die einen gerne mal beschimpfend vom Radweg scheuchen. 
Naja, so oder so begann dann für mich die Zeit des Laufens. Und ich war echt nicht glücklich damit; für weite Strecken musste ich dann Bus und U-Bhn benutzen, und für Nestbau-Einkäufe dann die Fahrdienste meines Onkels. 
Und als die Kleine dann geboren war, und am liebsten getragen und geschoben werden wollte, fiel das Fahrradfahren natürlich auch flach. Ich lief und lief, was sehr gut für meine Fitness war, auch mal drei Stunden im Nieselregen durch den Park. 

Aber im letzten Herbst hatte ich echt die Schnauze voll. Ich wollte endlich wieder mobiler sein. Nicht immer mit der Karre am Bein im eigenen Viertel rumhängen, nicht immer nur ewig laufen und die weiten Strecken dann mit der Bahn machen. 

Denn ich liebe Fahrradfahren!

So haben wir uns langsam auf die Suche nach einer passenden Transportmöglichkeit für uns gemacht. 
Am Anfang hatten wir die Frage zu klären, welche Art denn am Besten zu uns passt. 
Kindersitz? Wenn ja, vorne oder hinten?
Fahrradanhänger? Wenn ja, für ein Kind oder gleich für zwei?
Lastenrad? Wenn ja, welche Art und mit Elektroantrieb oder ohne?

Den klassischen Kindersitz für hinten haben fast alle unsere Freunde, alle sind mit ihm zufrieden. Und fast alle haben trotzdem immer einen Rucksack auf, der beim Kind dann ins Gesicht drückt. Ist er vielleicht als zusätzlicher Airbag gedacht? Und die Position der schlafenden Kinder im Kindersitz, deren Köpfe zur Seite herab hängen, hat uns auch eher weniger gefallen. 
Beim Fahrradanhänger fanden wir toll, dass man ihn auch einfach super ohne Fahrrad, als Kinderwagen nutzen kann. Das ist natürlich sehr praktisch und die Kinder sind sicher angeschnallt und können auch bequem schlafen. 

Wir wollten jedoch ein Fahrrad haben, bei dem wir unsere Tochter vor uns haben. Ich konnte, und das ist wirklich ein sehr persönlicher Aspekt, mich nicht damit abfinden, das Kind hinter mir zu haben. Ich möchte es gerne sehen können, um auch während der Fahrt mit ihm zu kommunizieren. 

Und so fiel unsere Wahl auf ein Lasten- oder Transport- Rad. Kind und Krempel vorne, ohne Elektroantrieb. 
Zuerst ließen wir uns in einem großen Fahrradgeschäft beraten, merkten aber schnell, dass sowohl die Beratung als auch die Auswahl der Räder sehr dürftig war. Online kamen wir auch nicht viel weiter, schließlich gibt es auch unter den Lastenrädern große Unterschiede und die lassen sich erst nach ausführlicher Testfahrt feststellen. 
Also machten wir uns auf zum Hamburger Laden AHOI VELO in der Schanze, ein Laden der nur auf Lastenräder spezialisiert ist, und von fast jedem Typ ein Modell zum Probefahren vor Ort hat. 

2 oder 3 Räder?

Das war dann schon die nächste, entscheidende Frage. Denn auch, wenn man mit den zweirädrigen Transporträdern viel eleganter und schnittiger unterwegs ist, so war ich mir mit dem Gleichgewicht und der Art des Bremsens und dem Anhalten im Handling nicht sicher. 

Es sollte also ein Dreirad werden. (Mein Opa war sehr erstaunt darüber, schließlich fährt auch er ein Dreirad, allerdings in der Seniorenversion mit den zwei Rädern hinten). 

Wir fuhren sämtliche Modelle der großen Hersteller Probe, und als wir uns schon fast für ein klassisches, niederländisches Bike mit Holz-Transportkiste entschieden hatten, entdeckten wir das Michelmobil. Auf den ersten Blick erinnerte es uns eher an eine indische Rickscha und schon nach wenigen Metern Probefahrt waren wir komplett vom Michel überzeugt. 

Denn neben höchst elegantem Design, hochwertiger Fertigung von Hand in Berlin und geschmeidiges und wendiges Fahren auf der Straße hatte das Michelmobil den entscheiden Kaufgrund: Den vollkommen geschützten Kopfbereich für das mitfahrende Kind.

Was uns bei den anderen Holz-Kisten-Modellen nämlich nicht wirklich zusagte, war die komplett freie Kopfposition der mitfahrenden Kinder. Erst dann fiel mir auf, dass die Rückenlehne bei den meisten Modellen, je nach Körpergröße, nur bis knapp zur Schulter reichte. 

Beim Michelmobil hingegen, sitzt das mitfahrende Kind in einer Art Cockpit, geschützt von Stahlrohren und gepolsterten Kopfstützen an den Seiten. Es lässt sich super wendig fahren, hat durch eine Gesamtlänge von 2 Metern einen sehr kleinen Wendekreis und ist durch die schmale Bauweise absolut großstadttauglich. Wir fahren nun seit Januar jeden Tag damit, zur Kita, auf den Spielie, zum Einkaufen und Freunde außerhalb besuchen. 

Und das wichtigste: Rosalie mag es sehr, durch die Gegend kutschiert zu werden. Wenn sie müde ist, schläft sie einfach gemütlich ein, sie ist vor Wind, Regen und Sonne gut geschützt und wir können endlich gemeinsam auf dem Rad unsere Stadt mit Kind an Bord ganz neu entdecken. 

Habt ihr auch ein Lastenrad oder wie transportiert ihr eure Kinder?

Herzlich, Eure Milena


P.S. Für den Kaufpreis des Michels hätten wir und auch einen "guten Gebrauchten" kaufen können. Wäre aber schlecht für die Umwelt und noch schlechter für unsere Fitness gewesen. 







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© hellrosagrau
Maira Gall