Warum ich mich als freiberufliche Mama immer rechtfertigen muss // Nein, ich sitze nicht den ganzen Tag rum und langweile mich...



"Freiberuflich? Was machst du dann den ganzen Tag wenn dein Kind in der Kita ist??"
"Ach selbstständig müsste man sein, dann hätte ich endlich wieder mehr Zeit für meine Kinder. Und meine Fingernägel. Und meine neue Serie!!"
"Du bist selbstständig...Ah, wie schön! Als Designerin? Ah toll. Das ist ja nicht so stressig "
"Du bist Künstlerin, ach wie interessant, da hast du ja dann superviel Zeit für Kaffee trinken und so"
"Da hat man dann viel Zeit zum Basteln und shoppen, ne!!?"
"Hach, das würde ich auch gerne mal machen."
"Einfach mal nur die Sachen machen, die einem so richtig Spaß machen. Toolll!"
"Hach, Design, toller Beruf. Da machst du ja dann immer nur schöne Sachen. Trends und so."
"Ah, du kannst ja nähen, supercool, kannst du mir vielleicht mal meine Hose kürzer machen?!
"Boah, deine Vita liest sich ja toll. Italien, Dänemark und Schweden ,man das ist ja toll, da hast du bestimmt immer viel Urlaub gemacht neben deinen Ausstellungen dort!!"
"Ach, so ein bisschen kreativ sein, das schafft man ja auch neben dem Kind, voll easy, einfach ein bisschen basteln und so. Das könnt´ ich ja auch machen"
"Herrlich, einfach so in den Tag hinein leben, das würde ich auch gerne mal."

Solche Sätze höre ich leider immer wieder. Leider. Denn ich bin echt genervt von den vielen Vorurteilen die es zur Freiberuflichkeit gibt. Und ja, ich weiß, dieses Schubladendenken und die Vorurteile gibt es für alle Berufe. Ein Koch zaubert auch noch Zuhause die wildesten Dreigängemenüs..., jaja. Ärzte ernähren sich immer nur supergesund..hm nö.. und ein IT Spezialist richtet gerne allen seinen Freunden das WLAN ein.. ja klaaaar.

Nur habe ich in letzter Zeit ständig das Gefühl, ich müsste mich bei oberflächlichen Gesprächen auf dem Spielplatz verteidigen, dass meine Tochter einen 8 Stunden Kitagutschein hat und ich freiberuflich arbeite. Vor allem den anderen Müttern gegenüber.
Als Freiberufliche ohne Kind musste ich mich nie verteidigen. Die vielen Ausstellungen, Reisen und Projekte, voll cool. Erst jetzt, mit Kleinkind habe ich das Gefühl, mein Beruf wird nicht für voll genommen.

Und was soll ich sagen. Ich will mich auf dem Spielplatz nicht batteln. "Ich arbeite aber mehr wie du, ätsch!" Nö, sowas mache ich nicht.

Und vorallem will ich hier nicht jammern, wie schwer es ist im Design und Kunstsektor erfolgreich zu sein. Und das Erfolg im Design leider nicht gleichgesetzt werden kann, mit viel Geld auf dem Konto.

Aber ich muss hier mal eine Lanze für alle freiberuflichen Frauen und Mütter brechen: 

Wir arbeiten hart. Und ständig. Und voller Engagement. Am Tag und in der Nacht. In jeder freien Minute. Und das alles freiwillig, weil wir es uns so ausgesucht haben. Denn unser Konto füllt sich nicht von alleine.

Und alleine ist auch das Stichwort. Denn wir kümmern uns. ALLEINE oder mit Hilfe:
Um die neuen Projekte. Und die Kunden. Um die Ausstellungen. Die Website. Die Steuererklärung. Die Krankenversicherung.

Wir erschaffen Produkte, Design, Kunst. Wir leben am Puls der Zeit, erkennen Trends. Erschaffen aus dem Nichts. Sind kreativ. Setzten Trends. Wir produzieren Content für unsere Leser.

Wir geben uns Mühe, testen aus. Scheitern. Setzten Geld in den Sand. Wir wagen etwas. Wir müssen zurückstecken. Einstecken. Neu anfangen.

Wir verkraften Kunden die nicht bezahlen. Die immer noch mehr wollen, umsonst. Wir sind freundlich, weil wir Herzmenschen sind. Wir versuchen einen guten Weg zu finden. Unser Handy ist immer an. Denn der Kunde ist König.

Wir sind ehrgeizig. Wir wollen erfolgreich sein.

Wir sind erfolgreich.

Auch wenn wir nicht nine-to-five arbeiten und auch mal am Donnerstag raus ans Meer fahren. Auch wenn wir Mittagessen gehen ohne auf die Uhr zu schauen. Auch wenn wir den neuen Blogpost im Schlafanzug schreiben.

Und warum? Weil wir unser eigener Chef sind. Der Strengste. Der kleine Mann, der immer im Ohr sitzt und sagt, was alles noch zu tun ist. Weil das Konto sonst lehr bleibt. Das treibt uns an.

Weil wir unsere Arbeit lieben

So sind wir. Danke.

Herzlich, Eure Milena

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Maira Gall