Urlaub auf dem Bauernhof // Über Stadtkinder und Dorfkinder


Wir haben in diesem Jahr unseren Sommerurlaub komplett auf dem Land verbracht. Bei der Familie auf dem Bauernhof in der Nähe von Karlsruhe am Rand der Weinberge und bei den Schwiegereltern in Oberammergau in Bayern. Wir hatten eine ganz wundervolle Zeit von der wir jetzt wirklich lange zehren können. Am Anfang war ich jedoch etwas genervt davon, dass wir mal wieder nur Urlaub bei der Familie machen. Nix mit sonnenbaden auf Mallorca, schnorcheln auf Sardinien oder surfen in Dänemark. 

Aber meine Mutter hatte einfach die ultimativ-unschlagbaren Argumente, und das direkt vor der Tür: Ziegen und Schafe und Kühe und Pferde und Laufenten und Hasen. Und noch mehr Kühe. Und Hühner. So um die 200 Stück. 

Und bei einem fast zweijährigen Kind zählt das einfach viel mehr, als öde am Strand rumzusitzen und vom ständigen SonnencremeSandPeeling-IchMussDichAberJetztSooooofooortEincremen genervt zu sein. Ich würde ja schon gerne nochmal ans Meer. Aber naja. Entspannte Kinder istgleich entspannte Eltern. Ihr wisst bescheid. 

So verbachten wir also drei Wochen bei der Familie auf dem Bauernhof mit den vielen lieben Tieren, den Getreidefeldern ringsum den Hof und dem SelbstbedienungsDemeterGemüseLaden auf der anderen Straßenseite. Straße, naja, also eher Feldweg. Nur für Anlieger. Und Gemüsefans. 

Unsere Tage sahen dann alle sehr ähnlich aus: Lange schlafen bis halb neun, aufstehen und im Schlafanzug, barfüßig mit Papa, die erste Runde in den Kuhstall flitzen. Sind noch alle Kühe da? Oder sind sogar noch neue dazu gekommen? Kälbchen? Schauen ob die Schwälbchen heute wieder so tief fliegen, dass man den Luftzug ihrer Flügel am eigenen Kopf spüren kann. Den freundlichen Kühen mit dem Besen erst mal wieder den frischen Klee zuschieben. Nebenbei dann noch schnell die wilden Hofkatzen streicheln. Also eher erst mal suchen und dann ganz leise und still in der Hocke sitzend darauf warten, dass sich die kleinen wilden Wuschel an uns herantrauen. Nicht selten endete die Streichelei jedoch mit einem kleinen Kratzer auf Rosalies Haut. Autsch. 

So vertrödelten wir also den halben Vormittag bei den Tieren, beobachteten die Pferde beim Ackerpflügen, die Schafe beim faul in der Sonne liegen und fütterten tonnenweise Gras und Holunderblätter an die Ziegen. 

Für uns waren er herrlich entspannte Tage, mit Kinderbetreuender Familie, lieben Freunden und einem Wetter, wie es hätte besser nicht sein können. Süddeutschland eben. Wenn gleich gegenüber an den Hängen der Wein an den Reben wächst, muss die Sonne im Sommer ja mal ordentlich runterbrezeln. Mitunter war das für meine Süddeutsche Seele, die sich mittlerweile doch sehr an das norddeutsche Wetter gewohnt hat: viel! zu! heiß! :-)

Und auch, wenn wir uns entspannten und uns im Garten mit kalter Schorle und Eiscreme (aus der Megatiefkühltruhe, für die wir in Hamburg ein eigenes Zimmer bräuchten) im Schatten die Bäuche voll schlugen, so war es für die Menschen um uns herum die mitunter arbeitsintensivste Zeit des Jahres. 
Das Getreide wollte geerntet werden, das Heu musste vor dem hitzigen Sommerregen noch schnell in die Scheune gefahren werden. Und welch eine Überraschung: Sommer bedeutet Gemüsezeit! Also wohin nur mit all den Zucchini (außer natürlich in diesen Kuchen), den Körben voll Gurken und den vielen vielen knackig-bunten Salatköpfen wenn alle gerade gen Süden fahren und Urlaub in fremden Ländern machen? 

So stand ich also Tag ein, Tag aus vor einem Berg Gemüse, frisch geernteten Paprika, Auberginen und Zucchini, Mangold und kleiner neuer Rote Beete, knackigen Möhren, und Kisten (!!!!) voll mit Tomaten. Runden, länglichen, kleinen und ganz kleinen. Und Großen. Manche sogar so groß, wie eine ganze Hand. Ein richtiger GemüseSommer war das. Welch ein Glück. 

Und dann schleicht sich wieder dieser Gedanke ein. Die Erinnerung an meine eigene Kindheit auf dem Land. Zwischen Stohballen klettern und selbst gepflückten Blumen auf dem Feld. 
Und der Kindheit meines eigenen Kindes. Zwischen Spielplätzen und Straßenlärm. Immer wieder spiele ich die Möglichkeiten durch, und komme doch nicht zu einer Entscheidung. 

Was will ich? Was braucht mein Kind? Was brauchen wir gemeinsam als Familie. Stadt oder Land? Land oder Stadt? Wenn wir auf dem Land leben würden, würden wir dann Urlaub in der Stadt machen? 

Herzlich, eure Milena 









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© hellrosagrau
Maira Gall